Gewalt in der Pflege: Verstehen, Erkennen und Verhindern

gewalt in der pflege

Pflegebedürftige und ihre Pflegenden teilen ein besonderes Verhältnis, das oft von Herausforderungen geprägt ist. Für Pflegebedürftige kann es schwierig sein, sich an die Abhängigkeit von Hilfe zu gewöhnen. Pflegende können in Überforderung geraten, wenn der Pflegealltag zu hektisch wird und keine Zeit für Erholung bleibt. Diese Gesamtsituation kann dazu führen, dass sowohl Pflegende als auch Pflegebedürftige aggressiv werden. Doch Gewalt in der Pflege sollte kein Tabu sein.

Das Wichtigste im Überblick

  • Pflegebedürftige verdienen besonderen Schutz vor Gewalt.
  • Sowohl Pflegende als auch Pflegebedürftige können manchmal gewalttätig werden.
  • Gewalt umfasst nicht nur physische Übergriffe, sondern auch verbale Aggression, Vernachlässigung, finanzielle Ausbeutung und intime Übergriffe.
  • Krankheiten wie Demenz können Gefühle der Hilflosigkeit verstärken und die Persönlichkeit verändern, rechtfertigen jedoch keine Gewalt.
  • Stress, Ungeduld, Enttäuschung und Wut sind natürliche Reaktionen, die jeder Mensch lernen kann, konstruktiv zu bewältigen.
  • Entspannungstechniken und regelmäßige Entlastung sind entscheidend, um den Pflegealltag langfristig zu bewältigen

Definition von Gewalt in der Pflege

Die Definition von Gewalt ist abhängig von persönlichen Erfahrungen, kulturellen Werten und gesellschaftlichen Normen. Der Psychologe und Entwickler der gewaltfreien Kommunikation, Marshall B. Rosenberg, beschreibt Gewalt als „einen tragischen Ausdruck unerfüllter Bedürfnisse“. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Gewalt gegen ältere Menschen als „Handlungen oder das Unterlassen angemessener Reaktionen innerhalb einer Vertrauensbeziehung, die einer älteren Person Schaden oder Leid zufügen.“

Die Deutsche Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) unterscheidet fünf Formen von Gewalt gegen Pflegebedürftige:

  1. Körperliche Gewalt
  2. Psychische Gewalt
  3. Vernachlässigung
  4. Finanzielle Ausbeutung
  5. Intime Übergriffe

Zur körperlichen Gewalt gehören nicht nur Schläge, sondern auch Handlungen wie grobes Anfassen, absichtliches Hinlegen oder Setzen, extremes Waschen, Zwang zum Essen, Verweigern von Nahrung, Anwendung von freiheitsentziehenden Maßnahmen und nicht verordnete Medikamentengabe.

Psychische Gewalt kann sich durch unangemessene Ansprache, Ignorieren von Bedürfnissen, Verletzung der Privatsphäre und andere Handlungen manifestieren.

Gewalt in der Pflege erkennen

Gewalt in der Pflege kann äußerlich sichtbare Anzeichen und Verhaltensänderungen bei den Betroffenen verursachen. Zu den äußeren Anzeichen gehören blaue Flecken, Rötungen im Intimbereich, Abdrücke auf der Haut, Mangel an Hygiene, Vernachlässigung und Medikamentenmissbrauch.

Verhaltensänderungen bei Pflegebedürftigen können sich in ungewöhnlichem Verhalten wie Schüchternheit, Angst, Sprachlosigkeit, Verwirrung oder Aggression äußern. Pflegende können auffallend angespannt oder überfürsorglich wirken und Verletzungen bewusst verbergen oder verzögert behandeln.

Ursachen von Gewalt in der Pflege

Der Pflegealltag ist herausfordernd und kann Stress, Ungeduld, Enttäuschung und Wut auslösen. Dies kann zu gewalttätigem Verhalten führen. Die hohe Belastung der Pflegenden, Schlafmangel und das Machtgefälle zwischen Pflegenden und Pflegebedürftigen tragen zur Entstehung von Gewalt bei. Unerfahrenheit im Umgang mit Konflikten und bestimmte Krankheiten der Pflegebedürftigen können ebenfalls Gewalt begünstigen.

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Häufigkeit von Gewalt in der Pflege

Die Rate der Gewalterfahrungen in der Pflege variiert je nach Studie, liegt jedoch zwischen einem und 35 Prozent. Die WHO schätzt, dass etwa drei Prozent der über 60-Jährigen in Europa innerhalb eines Jahres physische Gewalt erleben, während etwa 20 Prozent psychischer Gewalt ausgesetzt sind. Die Dunkelziffer dürfte noch höher liegen.

Fazit

Gewalt in der Pflege ist eine komplexe und oft unterschätzte Problematik. Sie betrifft sowohl Pflegende als auch Pflegebedürftige und kann schwerwiegende physische und psychische Folgen haben. Es ist wichtig, Gewalt zu erkennen, zu verhindern und angemessen darauf zu reagieren. Die Pflegebedürftigen verdienen unseren besonderen Schutz, und Pflegende benötigen Unterstützung, um den anspruchsvollen Pflegealltag konstruktiv zu bewältigen.

Häufige Fragen zum Thema Gewalt in der Pflege

Die häufigsten Fragen, die Menschen zum Thema Gewalt in der Pflege suchen, beinhalten oft grundlegende Informationen, Warnzeichen, Prävention und Maßnahmen zur Bewältigung. Hier sind einige dieser Fragen und ausführliche Antworten mit Tipps für Betroffene oder Angehörige:

Was ist Gewalt in der Pflege?

Gewalt in der Pflege umfasst physische, psychische, finanzielle, sexuelle oder vernachlässigende Misshandlungen von Pflegebedürftigen. Sie kann sowohl von Pflegenden als auch von Pflegebedürftigen ausgehen und ist inakzeptabel.

Wie erkenne ich Gewalt in der Pflege?

Achten Sie auf körperliche Anzeichen wie blaue Flecken oder Verletzungen, Verhaltensänderungen wie Ängstlichkeit oder Aggressivität, Vernachlässigung und finanzielle Ausbeutung. Kommunikation mit dem Pflegebedürftigen ist entscheidend.

Warum passiert Gewalt in der Pflege?

Stress, Überforderung und mangelnde Kenntnisse im Umgang mit Konflikten können Gewalt auslösen. Es ist wichtig, Stress abzubauen und Kommunikationsfähigkeiten zu entwickeln.

Wie kann ich Gewalt in der Pflege verhindern?

Schulungen zur Deeskalation, Stressbewältigung und Konfliktlösung können Pflegenden helfen. Angehörige sollten aufmerksam sein, Gespräche führen und gegebenenfalls professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.

Wo finde ich Unterstützung bei Gewalt in der Pflege?

Wenden Sie sich an professionelle Beratungsstellen, Pflegedienste oder medizinische Fachkräfte. In Deutschland gibt es zahlreiche Einrichtungen, die bei der Bewältigung von Gewalt in der Pflege helfen können.

Welche rechtlichen Schritte kann ich unternehmen?

Im Falle von Gewalt sollten Sie Strafanzeige bei der Polizei erstatten und rechtliche Schritte einleiten. Ein Anwalt oder eine Anwältin kann Sie dabei unterstützen.

Wie kann ich als Angehöriger für Pflegebedürftige sorgen, um Gewalt zu verhindern?

Bieten Sie emotionalen Beistand, organisieren Sie Entlastungspausen für Pflegende und suchen Sie Unterstützung durch Pflegedienste oder Tagespflegeeinrichtungen.

Welche Maßnahmen zur Gewaltprävention gibt es in der Pflege?

In der Pflege sollten Deeskalationsstrategien, Schulungen für Pflegekräfte und eine Kultur des Respekts und der Fürsorge gefördert werden.

Es ist wichtig, dass Betroffene und Angehörige sich über Gewalt in der Pflege informieren, um sie zu erkennen, zu verhindern und angemessen darauf zu reagieren. Die Unterstützung von professionellen Diensten und die Förderung eines respektvollen Umgangs sind entscheidend.

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Anlaufstellen bei Gewalt für Pflegebedürftige und Pflegende Angehörige

Betroffene und Angehörige, die Gewalt in der Pflege erleben oder vermuten, können sich an verschiedene Stellen wenden, um Hilfe und Unterstützung zu erhalten. Hier sind einige relevante Anlaufstellen:

Pflegeberatung und Pflegedienste

Bei Verdacht auf Gewalt in der Pflege sollten Sie sich zunächst an Ihren Pflegedienst oder Ihre Pflegeberatung wenden. Sie können Ihnen Ratschläge geben und gegebenenfalls Maßnahmen zur Verbesserung der Pflegesituation ergreifen.

Ärzte und Gesundheitseinrichtungen

Medizinische Fachkräfte können Anzeichen von Gewalt erkennen und medizinische Versorgung bieten. Sie sind wichtige Ansprechpartner für die Gesundheit der Pflegebedürftigen.

Polizei

Im Falle von akuter physischer Gewalt oder Straftaten sollten Sie die Polizei einschalten. Sie können eine Untersuchung durchführen und rechtliche Schritte einleiten.

Beratungsstellen für Pflege

Es gibt spezialisierte Beratungsstellen, die sich mit Gewalt in der Pflege beschäftigen. Diese können Ratschläge und Unterstützung bieten, sowohl für Pflegende als auch für Pflegebedürftige.

Rechtsanwälte

Wenn rechtliche Schritte erforderlich sind, kann die Konsultation eines Rechtsanwalts notwendig sein, um die Interessen der Betroffenen zu schützen und rechtliche Schritte einzuleiten.

Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ und „Gewalt gegen ältere Menschen“

In Deutschland gibt es spezielle Hilfetelefone, die Opfern von Gewalt, einschließlich Gewalt in der Pflege, Unterstützung bieten. Sie sind rund um die Uhr erreichbar.

Gewalt gegen Frauen-Hotline: 116 016

Gewalt gegen ältere Menschen-Hotline: 116 016

Sozialdienste

Die örtlichen Sozialdienste und Behörden können in Fällen von Gewalt in der Pflege eingreifen und Schutzmaßnahmen ergreifen.

Senioren- und Pflegeheime

Wenn die Gewalt in einer Pflegeeinrichtung stattfindet, sollten Sie sich an die Einrichtungsleitung oder den Träger des Heims wenden, um das Problem zu melden und Maßnahmen zu fordern.

Es ist wichtig zu verstehen, dass Gewalt in der Pflege nicht toleriert werden darf, und Betroffene oder Angehörige sollten keine Scheu haben, sich an die oben genannten Stellen zu wenden, um Unterstützung und Schutz zu erhalten.

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